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„Ihr Kind hat wenig Körperspannung.“

Warum es manchmal nicht reicht, einfach mehr zu trainieren

Vielleicht hast du diesen Satz beim Kinderarzt, in der Ergotherapie oder Physiotherapie schon einmal gehört:

„Ihr Kind hat einen niedrigen Muskeltonus.“
Oder: „Ihr Kind hat einfach wenig Körperspannung.“

Und vielleicht erkennst du dein Kind auch im Alltag wieder:

Es sitzt am Tisch und sackt immer wieder zusammen. Es stützt den Kopf beim Schreiben mit der Hand ab. Auf dem Stuhl wird ständig die Position gewechselt. Beim Sport wirkt es weniger stabil als andere Kinder. Basteln und Schreiben strengen an und vielleicht hält dein Kind den Stift viel zu fest oder drückt stark auf.

Dann liegt der Gedanke nahe:

Die Muskulatur ist zu schwach – also müssen wir die Muskeln trainieren.

Doch so einfach ist es nicht.

Denn Körperspannung entsteht nicht allein im Muskel.

Der Muskel macht nur das, was das Nervensystem ihm vorgibt

Unser Muskeltonus wird wesentlich durch das Nervensystem reguliert.

Das Gehirn verarbeitet ständig Informationen darüber, wo sich unser Körper im Raum befindet, wie wir uns bewegen und wie viel Spannung gerade benötigt wird.

Eine wichtige Rolle spielen dabei unter anderem das Kleinhirn, das Gleichgewichtssystem und die Verarbeitung von Informationen aus Muskeln und Gelenken.

Das alles geschieht normalerweise automatisch.

Wir überlegen schließlich nicht:

„Jetzt muss ich meine tiefe Bauchmuskulatur aktivieren, damit ich aufrecht sitzen kann.“

Unser Nervensystem organisiert das für uns.

Wenn diese Regulation jedoch nicht optimal funktioniert, kann ein Kind sehr viel Energie benötigen, um seinen Körper überhaupt stabil zu halten.

Und genau deshalb lohnt es sich bei geringer Körperspannung, nicht nur auf den einzelnen Muskel zu schauen.

Entwicklung baut aufeinander auf

Ein Baby beginnt nicht damit, einen Stift zu halten.

Es beginnt damit, seinen Körper gegen die Schwerkraft zu organisieren.

Es hebt in Bauchlage den Kopf.

Es stabilisiert zunehmend Kopf und Rumpf.

Es dreht sich.

Es stützt sich über die Arme ab.

Es bewegt sich fort.

Es kommt in den Vierfüßlerstand.

Es krabbelt.

Es richtet sich auf.

Und irgendwann werden die Hände frei für immer feinere Tätigkeiten.

Entwicklung geschieht nicht zufällig in dieser Reihenfolge.

Die stabile Körpermitte bildet eine wichtige Grundlage für die Kontrolle von Schulter und Arm – und diese wiederum für die feinmotorische Arbeit der Hand.

Das lässt sich vereinfacht so darstellen:

Körpermitte → Schulter → Arm → Hand → Finger

Und genau deshalb lohnt es sich manchmal, bei Schwierigkeiten mit der Hand nicht zuerst bei der Hand anzufangen.

Wenn Schreiben unglaublich anstrengend ist

Stell dir ein Kind vor, das beim Schreiben ständig zusammensackt.

Der Kopf wird mit einer Hand abgestützt.

Der Schultergürtel ist wenig stabil.

Der Schreibarm muss gleichzeitig stabilisieren und feinmotorisch arbeiten.

Und jetzt soll dieses Kind noch sauber schreiben, den Stift locker halten, auf der Linie bleiben und gleichzeitig darüber nachdenken, wie ein Wort geschrieben wird.

Das ist eine enorme Aufgabe.

Natürlich kann man jetzt die Feinmotorik trainieren.

Man kann Schwungübungen machen, Perlen auffädeln, mit der Pinzette arbeiten und immer wieder schreiben üben.

Das kann durchaus sinnvoll sein.

Aber wenn die Grundlage darunter fehlt, trainieren wir möglicherweise am Ende der Entwicklungskette, während weiter oben sehr viel Kompensationsarbeit geleistet werden muss.

Für mich lautet deshalb eine wichtige Frage:

Wie stabil ist eigentlich das Fundament, auf dem die Hand arbeiten soll?

Und hier kommen die frühkindlichen Reflexe ins Spiel

Frühkindliche Reflexe gehören zur normalen Entwicklung eines Babys.

Sie unterstützen unter anderem die ersten Bewegungs- und Reaktionsmuster und werden im Laufe der Entwicklung zunehmend von differenzierteren Bewegungsabläufen überlagert und integriert.

Bleiben solche Reflexmuster später noch deutlich auslösbar, können sie mit Haltung und Bewegung interferieren.

Für die Körperspannung sind für mich deshalb beispielsweise Muster rund um Moro, TLR, ATNR, STNR und Landau interessant.

Denn sie stehen in Verbindung mit grundlegenden Entwicklungsaufgaben:

Wie organisiert sich der Körper gegen die Schwerkraft?

Wie arbeiten Kopf und Rumpf zusammen?

Wie können Ober- und Unterkörper miteinander koordiniert werden?

Wie stabilisiert sich der Körper, während Arme und Hände unabhängig davon arbeiten?

Genau hier setzt meine Arbeit mit Reflexintegration an.

Nicht einfach kräftigen – sondern die Grundlage anschauen

In der Reflexintegration geht es deshalb nicht darum, einem Kind einfach noch mehr Übungen aufzubürden.

Ich schaue zunächst:

Welche frühkindlichen Reflexmuster sind noch auffällig? Wo fehlt Stabilität? Welche Bewegungsmuster fallen schwer? Und wo muss das Kind ständig kompensieren?

Anschließend arbeiten wir gezielt mit Bewegungsübungen und isometrischen Impulsen.

Mein Ziel ist es, dem Nervensystem wiederholt passende Bewegungsinformationen anzubieten und damit die Entwicklung stabilerer Bewegungs- und Haltungsmuster zu unterstützen.

Und häufig ist genau das der Punkt, an dem Eltern anfangen, das Verhalten ihres Kindes mit anderen Augen zu sehen.

Denn das Kind, das ständig auf dem Stuhl herumrutscht, ist vielleicht nicht einfach „zappelig“.

Das Kind, das beim Schreiben auf dem Tisch liegt, ist vielleicht nicht „faul“.

Und das Kind, das den Stift verkrampft festhält, braucht vielleicht nicht einfach noch mehr Schreibtraining.

Vielleicht ist das, was wir sehen, seine bestmögliche Strategie, mit einer noch nicht ausreichend stabilen Grundlage zurechtzukommen.

Aber auch Reflexintegration ist nicht immer die ganze Antwort

Auch das gehört für mich zu einem ganzheitlichen Blick dazu.

Das Gehirn braucht gute Voraussetzungen, um zu lernen und neue Bewegungsmuster zu festigen.

Dazu gehören unter anderem ausreichend Sauerstoff, Energie und Nährstoffe. Auch Schlaf, chronischer Stress, Erkrankungen und entzündliche Prozesse können die Leistungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit des Nervensystems beeinflussen.

Wenn ein Kind trotz regelmäßig durchgeführter Übungen kaum Fortschritte macht, bedeutet das für mich deshalb nicht automatisch:

„Wir müssen einfach noch mehr üben.“

Dann kann es sinnvoll sein, genauer hinzuschauen.

Gibt es körperliche Belastungen?
Wie schläft das Kind?
Wie sieht die Nährstoffversorgung aus?
Gibt es Hinweise, die ärztlich oder therapeutisch weiter abgeklärt werden sollten?

Hier verbindet sich für mich die Reflexintegration mit meiner Arbeit als Heilpraktikerin.

Denn manchmal müssen wir erst das Fundament stärken

Wenn dein Kind einen niedrigen Muskeltonus oder eine auffällig geringe Körperspannung hat, lohnt es sich deshalb, nicht ausschließlich den Muskel zu betrachten.

Und wenn dein Kind Schwierigkeiten beim Schreiben hat, lohnt es sich manchmal, nicht bei den Fingern anzufangen.

Sondern einige Entwicklungsschritte zurückzugehen und zu fragen:

Ist die Körpermitte stabil genug?
Kann der Schultergürtel gut tragen?
Kann die Hand wirklich frei arbeiten – oder muss sie ständig mithelfen, den Körper zu stabilisieren?

Denn bevor wir immer weiter am Dach arbeiten, sollten wir sicherstellen, dass das Fundament trägt.

Hat dein Kind wenig Körperspannung?

Vielleicht wurde bei deinem Kind bereits ein niedriger Muskeltonus festgestellt. Vielleicht erkennst du es aber auch einfach in seiner Haltung, beim Schreiben, beim Sport oder im Alltag wieder.

In meiner Praxis schaue ich mir im Rahmen der Reflexintegration an, welche frühkindlichen Reflexmuster noch auffällig sind und wie gut die grundlegenden Haltungs- und Bewegungsmuster organisiert sind.

Du möchtest wissen, ob Reflexintegration für dein Kind sinnvoll sein könnte?

Dann melde dich gerne bei mir und vereinbare einen Termin zur Testung.

Kerstin Anstatt
Heilpraktikerin · Kinder- und Jugendcoach · RIT Reflexintegrationstrainerin

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